Lenneps diesjähriger „Tanz in den Mai“ endete mit einem Mordopfer (Hanna; † 19) und einer Schwerverletzten (Noëlle; 17 zum Zeitpunkt des Geschehens), was Remscheids östlichen Bezirk in einen massiven Schockzustand versetzte. Vier Monate später regt sich auf politischer Ebene etwas. Bereits seit Mai rückt die Polizei der Raser- und Poserszene in Lennep systematisch auf die Pelle. CDU und SPD wollen sich auf „Kölner Teller“ (Fahrbahn-Schwellen zur zwangsweisen Ausbremsung des Verkehrs auf Rädern) für die Robert-Schumacher-Straße und ein nächtliches Verweilverbot zwischen 22 und 6 Uhr auf öffentlichen Parkplätzen einigen. Die beiden einstigen Volksparteien möchten einer antisozialen Minderheit das Handwerk legen, indem sie die Allgemeinheit abstrafen.
Dass die Polizei in Lennep erst nach dem Tod einer sehr jungen Frau spürbar aktiver wird, ist freilich ein Armutszeugnis für Staat, Kommune und Altparteien-Politik. Die heftigen Beschwerden aus der örtlichen Bürgerschaft wegen Raserei, Motorengeheul und quietschenden Reifen gab es schon Jahre vor dem grausamen Mord an Hanna. Die Vertreter des Parteienblocks von CDU bis „Die Linke“ im Remscheider Stadtrat wie auch in der Bezirksvertretung Lennep hielten es offenkundig für ausreichend, zum Thema Raser- und Poserszene einige ermüdende Quasselrunden abzuhalten, jedoch blieben greifbare Resultate konsequent aus.
„Die Schwester von Landesinnenminister Herbert Reul, die die kommunale Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke (beide CDU) ist, meint mit einem nächtlichen Verweilverbot auf öffentlichen Parkplätzen das Milieu antisozialer Jung-Autofahrer aus der Stadt vertreiben zu können“, sagt der PRO-Remscheid-Vorsitzende und -Ratsherr Andre Hüsgen.

© Ausschnitt der digitalen Ablichtung eines YouTube-Videos
Kann nicht wirklich punkten: Barbara Reul-Nocke (CDU), Remscheids Dezernentin für Ordnung, Sicherheit und Recht.
„Wäre Reul-Nocke nur ein wenig kreativer, so würde sie die städtische Führerscheinstelle anweisen, jeden Einwohner Remscheids, der im Verdacht steht, Mitglied der Raser- und Poserszene zu sein, einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (umgangssprachlich ‚Idiotentest‘ genannt) zuzuführen. Eine Verpflichtung zur MPU bedarf keiner großen Begründung seitens der Stadtverwaltung. Doch lieber erklärt man ein nächtliches Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen wie der Freiheitstraße und der Lenneper Straße. Obendrein stellt man dort Abzock-Blitzer auf. Eine sinnvolle Verkehrspolitik sieht definitiv anders aus!
Bei ihren Gedankenspielen zu einem nächtlichen Verweilverbot auf öffentlichen Parkplätzen verweist Reul-Nocke auf Gütersloh, wo 2021 eine solche Maßnahme die lokale Raser- und Poserszene vertrieben hat. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass es hier vor Ort gleichermaßen funktionieren wird. Die Allgemeinheit einschränken, um eine kleine Minderheit zu treffen, halte ich für einen mehr als fragwürdigen Ansatz.
Hingegen erachte ich das Vorbild der Niederlande und Österreichs für weitaus besser. Dort gibt es bereits die gesetzlichen Grundlagen, um viel schneller antisozialen Verkehrsteilnehmern die Fahrzeuge zu beschlagnahmen und Führerscheine einzuziehen. Genau so sollte auch in der Bundesrepublik vorgegangen werden. Wer ebenfalls Raser und Poser gezielt von der Polizei gejagt sehen will, statt tagtäglich massive Einschränkungen im Straßenverkehr ertragen zu müssen, der muss am 14. September anlässlich der Kommunalwahl auf den Stimmzetteln hier seine Kreuzchen setzen: Klartext. Mut. PRO Remscheid (Liste 5)!“